Klimaschutz im Tourismus – Messen. Reduzieren. Ausgleichen.

Messen
Bottom-Up Methode

Klimaschutz im Tourismus beginnt mit dem Verständnis der eigenen Emissionen. Eine fundierte CO₂-Bilanz ist der erste Schritt, um Verantwortung zu übernehmen und konkrete Reduktionsziele zu entwickeln.

 (c) reCET UG, KI-generiertes Bild mit ChatGPT

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Bottom-Up

Vom Verhalten zur Bilanz – vom Detail zur Strategie.

 

Analyse des touristischen Klimafußabdrucks entlang der Leistungskette

Die Bottom-Up Methode nutzt touristische Aktivitätsdaten und verknüpft diese mit Emissionsfaktoren von touristischen Bereichen. Es werden also Daten des Besucher*innenverhaltens mit durchschnittlichen Emissionen pro Art der Aktivität zusammengerechnet. Daraus lassen sich detaillierte Daten pro Bereich (z.B. 5-Sterne Hotel vs. Camping) oder Besuchergruppen (Übernachtungsgäste vs. Tagesgäste) darstellen.

 

Reiseverhalten messen – Klimawirkung erkennen.

Konkrete Teilbereiche

 Konkret werden für die Berechnung die folgenden vier Teilbereiche benötigt und berücksichtigt

Icon Anreise
1. Was wird berücksichtigt?
- An- und Abreise von Tages- und Übernachtungsgästen
- Unterschiedliche Verkehrsmittelarten
- Anreisedistanzen
- Anzahl der Personen pro Verkehrsmittelart
- Emissionsbelastung durch den Transport in der Destination
Icon Daten
2. Welche Daten werden benötigt?
- Informationen über Verkehrsmittelverteilung und Herkunftsverteilung der Gäste, z. B. aus:
• Sonderauswertungen des „Qualitätsmonitor Deutschland-Tourismus“
• eigenen Gästebefragungen
• Statistischen Landesämtern
• (teilweise) GfK Destination Monitor Deutschland
• (teilweise) Bundesweite Tagesreisenstudie

- Datengrundlagen für Emissionsberechnungen:
• Emissionsfaktoren des Instituts für Energie- und Umweltforschung Heidelberg GmbH (ifeu)
• TREMOD sowie zentrale Datenbank HBEFA des Umweltbundesamtes
• Daten für sonstige Verkehrsmittel und Mehrverbräuche (z. B. Dachboxen) aus weiteren Studien
Icon Analyse
3. Was wird berechnet?
- Ermittlung des Transportvolumens verschiedener Verkehrsmittel:
• Anzahl der Reisenden pro Transportmittel
• durchschnittlich zurückgelegte Strecke, getrennt nach Verkehrsmitteln
• Umweg- und Gewichtungsfaktoren für die Gesamtstrecke

- Nachfragedaten, getrennt nach Tages- und Übernachtungstourismus, werden mit den jeweiligen Emissionsfaktoren verrechnet.
Icon Unterkunft
1. Was wird berücksichtigt?
Touristische Übernachtungen unterscheiden sich je nach Unterkunftskategorie in ihrer Emissionsintensität.

- Eine Übernachtung in einem Hotel ist in der Regel mit höheren Emissionen verbunden als z. B. Übernachtungen auf dem Campingplatz.
- Es wird ermittelt, wie viele Betriebe in der Destination den jeweiligen Unterkunftskategorien angehören.
- Zudem wird betrachtet, wie diese unterschiedlichen Unterkunftsarten von Gästen genutzt werden.
Icon Daten Unterkunft
2. Welche Daten werden benötigt?
- Gästeübernachtungen je Beherbergungskategorie und Aufenthaltsdauer in gewerblichen Betrieben (z. B. aus der amtlichen Statistik).
- Informationen zur Verteilung der Unterkunftswahl nach Sternekategorien (sofern verfügbar).
- Daten zu nicht-gewerblichen Übernachtungen, die häufig nur über eigene Befragungen erhoben werden können.

- Für genauere Emissionsberechnungen: Primärdaten zu Energieverbräuchen direkt aus den Betrieben (liegen jedoch selten vor).

- Emissionsfaktoren und Studiengrundlagen, z. B.:
• Hotel Sustainability Benchmarking Index (CHSB) auf Basis der Hotel Carbon Measurement Initiative (HCMI) Standards
• Studien des ifeu-Instituts (z. B. für Camping)
• Internationale Vergleichswerte, insbesondere für Ferienwohnungen und -häuser

Insgesamt ist die Datenlage bei Emissionsfaktoren im Beherbergungsbereich herausfordernd, da viele Werte älter sind und auf einmaligen Erhebungen beruhen.
Icon Berechnung Unterkunft
3. Was wird berechnet?
- Die Übernachtungszahlen werden nach Beherbergungsart ausgewiesen.
- Die Gesamtemissionen werden anhand von Emissionsfaktoren berechnet, die auf Durchschnittswerten aus verschiedenen nationalen und internationalen Studien basieren.

- Wo möglich, sollten Primärdaten aus den Betrieben eingesetzt werden, da sie eine deutlich genauere Berechnung der Emissionen ermöglichen.
Icon Verpflegung
1. Was wird berücksichtigt?
Um die Emissionen der touristischen Verpflegung bestimmen zu können, werden verschiedene Faktoren berücksichtigt:

- Häufigkeit der gastronomischen Verpflegung während des Aufenthalts
- Art der Verpflegung (z. B. Selbstversorger, Frühstück, Halbpension)
- Unterschiede zwischen kleineren Imbissen und vollwertigen Mahlzeiten
- Ernährungsweise (z. B. vegan, vegetarisch, omnivor)
- Art der Lebensmittelerzeugung (konventionell vs. biologisch)
- Regionalität der Lebensmittel

Diese Faktoren können einen erheblichen Einfluss auf die Klimabilanz einer Mahlzeit haben und sollten möglichst berücksichtigt werden.
Icon Daten Verpflegung
2. Welche Daten werden benötigt?
Die Datenlage im Bereich Verpflegung ist häufig begrenzt. Benötigt werden insbesondere:

- Anzahl oder Ausgaben von Tourist*innen für Gastronomiebesuche
• z. B. über eigene Gästebefragungen
• über Wertschöpfungsstudien
• über regionale Tourismus-Satellitenkonten

- Informationen zu Verpflegungsarten (Selbstversorger, Halbpension etc.)
• oft über eigene Erhebungen
• oder Daten aus dem Qualitätsmonitor Deutschland-Tourismus

- Informationen zu verschiedenen Arten gastronomischer Betriebe:
• Imbiss vs. Restaurant
• mittels Unternehmensbefragungen, regionalem Unternehmensregister oder ökonomischen Studien

- Anteil von Betrieben mit besonderem Verpflegungsangebot (z. B. vegetarisch/vegan, Bio)
• meist nur durch eigene Unternehmensbefragungen zu erheben

Icon Berechnung Verpflegung
3. Was wird berechnet?
- Je nach verfügbarer Datenlage werden die Emissionen der Mahlzeiten von Übernachtungs- und Tagesgästen berechnet.
- Eine differenzierte Darstellung der Emissionswerte wäre ideal, ist jedoch aufgrund von Datenlücken aktuell häufig nicht möglich.

- In der Praxis wird daher meist die Anzahl der Mahlzeiten mit einem einheitlichen Emissionsfaktor multipliziert, der vom DEHOGA auf Basis eigener Studien erfasst wurde.
Icon Aktivitäten
1. Was wird berücksichtigt?
Zur Emissionsberechnung der touristischen Aktivitäten vor Ort ist es essenziell zu wissen, welchen Aktivitäten die Gäste während ihres Aufenthalts nachgehen.

- Erfassung der Hauptaktivitäten der Tourist*innen
- Hinweise aus der Tourismusstruktur (z. B. viele energieintensive Branchen wie Schifffahrt oder Luftfahrt)
- Einordnung emissionsintensiver und emissionsarmer Angebotsformen
- Verbrauchswerte aus eigenen touristischen Einrichtungen und Liegenschaften

Diese Informationen helfen einzuschätzen, wie relevant der Aktivitätsbereich für die Gesamtemissionen ist.
Icon Daten Aktivitäten
2. Welche Daten werden benötigt?
Für die Berechnung der Emissionen aus Aktivitäten werden insbesondere folgende Daten benötigt:

- Hauptaktivitäten der Tourist*innen
• aus eigenen Gästebefragungen
• teilweise aus dem Qualitätsmonitor Deutschland-Tourismus

- Detaillierte Angebots- und Unternehmensdaten
• aus regionalen Unternehmensregistern
• aus Statistischen Landesämtern

- Emissionsfaktoren für touristische Aktivitäten
• aus wissenschaftlichen Studien
• aus eigenen öffentlichen Einrichtungen (z. B. Thermen, Schwimmbäder)

Die Genauigkeit hängt stark davon ab, wie differenziert die Aktivitäten in der Destination dokumentiert sind.
Icon Berechnung Aktivitäten
3. Was wird berechnet?
- Aktivitäten werden möglichst detailliert bilanziert – soweit es die Datenlage zulässt.
- Da häufig keine präzisen destinationsspezifischen Emissionsfaktoren vorliegen, erfolgt meist eine Einordnung in Kategorien:
• emissionsfreie Aktivitäten (z. B. Spaziergänge)
• emissionsarme Aktivitäten (z. B. Museumsbesuche)
• emissionsintensive Aktivitäten (z. B. Wellness)

- Jede Kategorie wird mit einem gemittelten Emissionsfaktor berechnet.
- Wichtig: Es werden nur die Emissionen der Aktivität selbst berücksichtigt.
- Die An- und Abfahrt zur Aktivität wird im Bereich Mobilität erfasst.

Welches Bilanzierungsmodell für welche Tourismusdestination?

Bottom-Up Ansatz

Was sind die Stärken?

  • Es können detaillierte Emissionen für verschiedene Verkehrsträger und Teilsektoren von Unterkünften dargestellt werden.
  • Emissionsbelastung wird direkt mit dem Reiseverhalten von Tourist*innen verknüpft. Dadurch können genaue Minderungspotenziale ermittelt werden.
  • Umsetzbarkeit und Praxistauglichkeit ist vor allem für regionale Destinationen hoch, da die Informationen sehr regionsspezifisch sind und grundsätzlich auch Daten verfügbar sind.

Welche Schwachstellen hat der Ansatz?

  • Es können nicht alle Teilsektoren des Tourismus erfasst werden.
  • Berechnungen sind mit einem gewissem Grad an Subjektivität verbunden und nicht kompatibel mit dem nationalen Treibhausgasinventar.
  • Emissionswerte spiegeln nicht tatsächliche Verbrauchswerte der Betriebe vor Ort wider, wenn keine detaillierten Primärdaten vorhanden sind.

Welche Daten werden benötigt?

  • Möglichst detaillierte Angaben zu Tagesgast- und Übernachtungszahlen
  • Verkehrsmittelnutzung von Tourist*innen und Herkunftsverteilung der Gäste
  • Möglichst detaillierte Aufteilung der Übernachtungen nach Unterkunftsart und Daten zum grauen Beherbergungsmarkt
  • Gastronomiebesuche von Tourist*innen (möglichst nach Art der Verpflegung) oder alternativ Verteilung der Gastronomiebetriebe in der Region
  • Möglichst detaillierte Aktivitätsdaten der Tourist*innen

Für wen ist dieser Ansatz besonders gut geeignet?

  • Destinationsmanagement-Organisationen bis zur Landesebene

Auf Basis der Ergebnisse können destinationsspezifische Klimaschutzziele und Minderungsmaßnahmen  entwickelt werden, die ein umweltfreundliches Wirtschaften von Betrieben und ein klimafreundliches Verhalten von Tourist*innen bewirken können.

Es ist eine direkte Bewertung von destinationsspezifischen Emissionsänderungen möglich, aufgrund von Nachfrageveränderungen oder auch des klimafreundlichen Engagements von bestimmten Tourismussegmenten.

FAZIT

Eine tourismusbezogene Klimabilanzierung nach Bottom-Up Ansatz ist vor allem für regionale Tourismusdestinationen geeignet. Sie ermöglicht das Setzen von konkreten maßgeschneiderten Klimaschutzzielen sowie Umsetzungsstrategien für verschiedene Tourismussegmente. Sie schafft damit die besten Voraussetzungen für ein evidenzbasierten Klimamanagement in Tourismusdestinationen.

Noch nicht sicher, ob das der richtige Ansatz ist? 

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