Klimaschutz im Tourismus – Messen. Reduzieren. Ausgleichen.

Reduzieren

Klimaschutz im Tourismus heißt Emissionen senken und damit Schritt für Schritt Verantwortung übernehmen.

 (c) reCET UG, KI-generiertes Bild mit ChatGPT

 (c) reCET UG, KI-generiertes Bild mit ChatGPT

Warum messen alleine nicht reicht.

Nur wer reduziert, schützt das Klima wirklich.

Die Erfassung von Emissionen ist wichtig, doch echter Klimaschutz gelingt nur durch ihre konsequente und schnelle Reduktion im Einklang mit nationalen und internationalen Zielen. Dafür braucht es wissenschaftlich fundierte Klimaziele mit klaren Reduktionspfaden und Zeitrahmen, die Prioritäten setzen und Zielkonflikte offenlegen.

Gerade im Tourismus sind Mut und neue Strategien gefragt, um in einer Netto-Null-Wirtschaft resilient und wirtschaftlich tragfähig zu bleiben. Als Mitverursacher*innen und zugleich Betroffene der Klimakrise tragen touristische Akteur*innen doppelte Verantwortung. Emissionen müssen entlang der gesamten Wertschöpfungskette deutlich und zeitnah sinken, damit Tourismus langfristig möglich bleibt.

Warum kompensieren alleine nicht reicht.

Emissionen sollen massiv reduziert, statt kompensiert werden.

Kompensation, also der Ausgleich von Emissionen durch Klimaschutzprojekte, kann eine sinnvolle Ergänzung sein. Sie ersetzt jedoch keine aktiven Maßnahmen zur Reduktion. Internationale Klimaziele, wie das 1,5 °C-Limit, machen deutlich:

Der Großteil der Emissionen muss direkt und deutlich gesenkt werden.

Was das konkret bedeutet: Klimastrategien, die sich am Pariser Abkommen orientieren, verfolgen einen klaren Grundsatz:

  • Zuerst reduzieren, dann kompensieren.
  • Kompensation darf nur dort eingesetzt werden, wo Emissionen nicht vermeidbar sind und auch nur zusätzlich zu aktiven Reduktionsbemühungen

Die Debatte um „Klimaneutralität“ verdeutlicht das Problem: Viele Unternehmen bezeichnen sich als klimaneutral, obwohl sie ihre THG-Emissionen überwiegend durch Klimaschutzprojekte kompensieren. Aufgrund fehlender Standardisierung ist der Begriff jedoch wenig aussagekräftig. Während manche Emissionen eins zu eins ausgleichen, setzen andere vorrangig auf eine drastische Reduktion und kompensieren nur Restemissionen [SBTi (2021): Beyond Value Chain Mitigation FAQ.]. Netto-Null ist langfristig nur durch eine konsequente Senkung aller THG-Emissionen erreichbar.

Quelle: Science Based Targets Initiative (SBTi). (2021, October). Beyond value chain mitigation FAQ (Version 1.0). https://files.sciencebasedtargets.org/production/files/Beyond-Value-Chain-Mitigation-FAQ.pdf

Wie viel müssen wir eigentlich reduzieren?

Nur wer weiß, wie stark Emissionen sinken müssen, erkennt, ob er auf Kurs ist.

Wirksame Klimaschutzstrategien basieren auf wissenschaftlich fundierten Emissionszielen entlang der gesamten Wertschöpfungskette und ermöglichen mit dem Pariser Abkommen kompatible Reduktionspfade.

Die Science Based Targets Initiative (SBTi) stellt dafür klare Standards und Methoden bereit, die auch im Tourismussektor zunehmend Anwendung finden. Sie unterstützt Unternehmen dabei, unternehmensspezifische, wissenschaftsbasierte Ziele zu definieren, Emissionen im Einklang mit dem 1,5°C-Ziel zu senken und spätestens bis 2050 Net-Zero zu erreichen.

Damit bietet die SBTi eine international anerkannte Orientierung und einen unabhängigen Maßstab für glaubwürdige Klimaschutzbemühungen von Unternehmen.

Welche Prinzipien zeichnen die SBTi aus?

Wissenschaftsbasierter Ansatz
Die Methoden und Standards zur Bestimmung von SBTs basieren auf aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen. Neue Erkenntnisse führen zu einer fortlaufenden Anpassung der Ziele und Methoden.
Icon Budget
Globales Budget (nicht regional oder unternehmensspezifisch)
Grundlage für die Bestimmung von SBTs ist das verbleibende globale Emissionsbudget. Jedes Unternehmen steht in der Verantwortung, einen Beitrag zur Senkung der globalen THG-Emissionen zu leisten (Top-Down Ansatz).
Icon Validierung
Validiert Emissionsreduktionsziele und keine Strategien
Die SBTi validiert Ziele und betrachtet die Plausibilität der daraus abgeleiteten geplanten Maßnahmen. Sie validiert oder zertifiziert bisher nicht die Umsetzung von Maßnahmen.
Icon Unternehmen
Unternehmen im Fokus und keine (N)GOs oder Zusammenschlüsse
SBTs werden ausschließlich für Unternehmen entwickelt, da diese eine wichtige Rolle bei der Bekämpfung des Klimawandels spielen. Die SBTi entwickelt fortlaufend Methoden für Sektoren, sofern die klimawissenschaftlichen Grundlagen dafür vorhanden sind.
Icon Ziele
Mittelfristige und langfristige Reduktionsziele statt ferne Visionen
Bei der Bestimmung von SBTs wird zwischen mittelfristigen Zielen (5–10 Jahre) und langfristigen Zielen (individuelle Festlegung, bis max. 2050) unterschieden. Ein Unternehmen kann mittelfristige und langfristige Ziele festlegen, aber niemals nur ein langfristiges Ziel bestimmen.
Icon Reduktion
Reduktion statt Kompensation
Klimaneutralität kann nicht allein über den (begrenzten und kostenintensiven) Ausbau natürlicher und technologischer Senken funktionieren. Kompensationsleistungen werden daher bei der Bestimmung von Reduktionszielen (SBTs) nicht angerechnet. Jeder Sektor wird so angehalten, seine THG-Emissionen drastisch zu reduzieren.
Icon Verantwortung
Gemeinsame Verantwortung und breite Verantwortungsgrenzen
Unternehmen werden dazu motiviert, ihre Emissionen in den Bereichen Scope 1, 2 und 3 nach wissenschaftlichen Standards zu reduzieren, um einen Beitrag zur Bekämpfung der Klimakrise zu leisten. Dies fördert die partnerschaftliche Bewältigung von Emissionen in der vor- und nachgelagerten Wertschöpfungskette.
Icon Zukunft
Emissionsreduktion in der Zukunft, nicht in der Vergangenheit
Das Ziel besteht darin, die Emissionen ab jetzt drastisch zu reduzieren. Was in der Vergangenheit (nicht) geleistet wurde, spielt bei der Bestimmung von Klimazielen keine Rolle.

Gerade in der Querschnittsbranche Tourismus ist die Ermittlung von Scope-3-Emissionen anspruchsvoll, da zahlreiche Akteur*innen entlang der Wertschöpfungskette beteiligt sind und vielfältige Zielgruppen angesprochen werden. Entsprechend entfällt meist der größte Emissionsanteil auf Scope 3, da hier indirekte Emissionen etwa aus dem Transport von Gästen und Mitarbeitenden sowie aus dem Einkauf von Waren und Dienstleistungen erfasst werden.

Wie viel davon ist eigentlich realistisch?

Klimaschutz braucht Klarheit, ohne Szenarien fährt man blind.

Wissenschaftsbasierte Klimaziele zeigen, wie stark Emissionen sinken müssen, um das 1,5°C-Ziel zu erreichen, sagen jedoch nichts über die praktische Umsetzbarkeit aus. Dafür braucht es realistische Szenarien zur künftigen Emissionsentwicklung im Tourismus. Sie machen die Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit sichtbar und zeigen konkrete Handlungsfelder auf.

Ein Business-as-usual-Szenario verdeutlicht, wie sich Emissionen ohne zusätzliche Maßnahmen entwickeln würden. Die Analyse bestehender Strategien zeigt, welche Fortschritte bereits angestoßen sind und wo weiterer Handlungsbedarf besteht. So wird deutlich, wie groß die Zielabweichung ist und was erforderlich ist, um sie zu schließen.

Der Blick zurück: Business-as-usual-Szenario (BAU)

 

Dieses Szenario zeigt, was passiert, wenn sich an der bisherigen Entwicklung nichts ändert – also ohne zusätzliche Klimaschutz- und Reduktionsmaßnahmen. Wie entwickeln sich dann die Emissionen im Tourismus?

Wir unterscheiden dabei die zentralen Bereiche:

  • Mobilität
  • Beherbergung
  • Gastronomie
  • Touristische Aktivitäten

Um das Szenario realistisch zu berechnen, müssen wir verschiedene zentrale Annahmen treffen und Fragen beantworten. Die dafür nötigen Informationen stammen größtenteils aus früheren Treibhausgasbilanzierungen (siehe Schritt MESSEN) , die bereits eine belastbare Datenbasis liefern.

Icon Wachstum
Wachstum des Tourismus (Übernachtungen und Ankünfte)
Für die Prognose gehen wir von einem Wachstum der Gästezahlen aus, das auf der durchschnittlichen jährlichen Entwicklung der letzten Jahre basiert. Dabei werden außergewöhnliche Jahre wie die Corona-Pandemie bewusst ausgeklammert, um eine verlässliche, langfristige Entwicklung abzubilden. So können wir abschätzen, wie viele Übernachtungen und Ankünfte in Zukunft realistischerweise zu erwarten sind, ohne dass außergewöhnliche Ereignisse die Prognose verzerren.
Icon Mobilität
Mobilitätsverteilungen und touristische Aktivitäten
Die Verteilung der genutzten Verkehrsmittel (z. B. PKW, Bus, Bahn, Flugzeug) sowie die Häufigkeit und Art touristischer Aktivitäten werden anhand von Daten aus ausgewählten Referenzjahren hochgerechnet. Diese Methode ermöglicht es, realistische Trends für die kommenden Jahre abzuleiten und einzuschätzen, wie sich Mobilitätsmuster und Freizeitverhalten der Gäste voraussichtlich entwickeln werden.
Icon Quellmarkt
Quellmarktverteilung
Die Herkunft der Gäste wird anhand der Verteilungen aus den Vorjahren angenommen. Das hilft, mögliche Veränderungen in der Gästestruktur abzubilden, beispielsweise ob der Anteil inländischer oder internationaler Besucher steigt oder sinkt. Diese Verteilung hat direkten Einfluss auf Mobilitätsmuster und damit auf die Emissionen.
Icon Gastronomie
Gastronomische Versorgungsstruktur
Wir gehen davon aus, dass sich die gastronomische Infrastruktur – also Anzahl und Art der Gastronomiebetriebe – im Vergleich zu den Basisjahren weitgehend nicht verändert. Diese Annahme ist wichtig, um die Emissionen in diesem Bereich konsistent abzuschätzen, da Veränderungen der Versorgungsstruktur direkten Einfluss auf den Energie- und Ressourcenverbrauch haben.
Icon PKW & Bus
Emissionsfaktoren für PKW & Bus
Die Emissionswerte pro Kilometer für PKW und Bus basieren auf aktuellen Studien und bleiben im Szenario entweder konstant oder werden leicht an erwartete technologische Verbesserungen angepasst, zum Beispiel effizientere Motoren oder alternative Antriebe. So wird berücksichtigt, dass moderne Fahrzeuge im Laufe der Zeit weniger Emissionen verursachen könnten.
Icon Bahn & Flug
Emissionsfaktoren für Bahn & Flug
Hier werden Effizienzsteigerungen stärker berücksichtigt, da beispielsweise die Bahn bis zum Jahr 2050 klimaneutral betrieben werden soll. Für Flugzeuge werden realistische Verbesserungen in der Treibstoffeffizienz und alternative Technologien angenommen, um eine möglichst genaue Prognose der Emissionen aus dem Flugverkehr zu ermöglichen.
Icon Beherbergung & Gastronomie
Emissionsfaktoren für Beherbergung & Gastronomie
Diese werden basierend auf aktuellen Studien angenommen. Beispielhaft kann von einer jährlichen Emissionsreduktion von –1,05 % ausgegangen werden, basierend auf den Berechnungen von Dickhut et al. (2023) für den Zeitraum 2015–2019.

[Quelle: Dickhut, H., Strasdas, W., Goerge, M., & Schulze Düding, J. (2023). Messung der Nachhaltigkeit des Tourismus in Deutschland: Abschlussbericht – Projektteil A & B (Texte 73/2023). Umweltbundesamt. https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/11740/publikationen/2023-05-25_texte_00-2023_messung_nachhaltigkeit_tourismus.pdf]
Icon Aktivitäten
Emissionsfaktoren für Aktivitäten
Diese werden basierend auf aktuellen Studien angenommen. Beispielhaft kann eine jährliche Emissionsreduktion von –4,8 % angenommen werden, ebenfalls gestützt durch die EEIO-Berechnungen von Dickhut et al. (2023) im Zeitraum 2015–2019.

[Quelle: Dickhut, H., Strasdas, W., Goerge, M., & Schulze Düding, J. (2023). Messung der Nachhaltigkeit des Tourismus in Deutschland: Abschlussbericht – Projektteil A & B (Texte 73/2023). Umweltbundesamt. https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/11740/publikationen/2023-05-25_texte_00-2023_messung_nachhaltigkeit_tourismus.pdf]

BEISPIEL: Business-as-usual- Szenario für Mecklenburg Vorpommern.

 

Quelle: Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern e. V. (2024, November 8). Strategischer Klimaschutz für den MV-Tourismus: Ziele, Szenarien und Maßnahmen (Maßnahmenplan). https://api.qn.tourismus.mv/fileadmin/Media/QN/08112024_TMV_Maßnahmenplan_Klimaschutz.pdf

 

BEISPIEL: Abgleich der zuvor berechneten Ziele mit dem Business-as-usual- Szenario für Mecklenburg Vorpommern

 

Quelle: Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern e. V. (2024, November 8). Strategischer Klimaschutz für den MV-Tourismus: Ziele, Szenarien und Maßnahmen (Maßnahmenplan). https://api.qn.tourismus.mv/fileadmin/Media/QN/08112024_TMV_Maßnahmenplan_Klimaschutz.pdf

 

Das Szenario wird für mehrere Zeithorizonte wie 2030, 2040 und 2050 berechnet. Am Beispiel Mecklenburg-Vorpommern zeigt sich, dass die Emissionen in Beherbergung und Aktivitäten sinken sollten. Entscheidend ist jedoch, ob das ausreicht. Dafür werden die berechneten Klimaziele dem Szenario gegenübergestellt. So sehen wir: Sind die aktuellen Entwicklungen mit den wissenschaftsbasierten Klimazielen vereinbar?

Der Vergleich von Zielvorgaben und erwarteter Entwicklung macht Ambitionslücken sichtbar, also Bereiche, in denen Maßnahmen nicht ausreichen. Solche Szenarien zeigen gezielt auf, wo Handlungsbedarf besteht und welche Maßnahmen besonders dringend sind.

Ergebnis: Das Szenario zeigt, ob die bisherigen Trends ausreichen, um die wissenschaftlich basierten Klimaziele zu erreichen oder ob eine Lücke geschlossen werden muss. Falls eine Lücke besteht, stellt sich die Frage: Was muss getan werden, um die Ziele zu erreichen?

Der Blick nach vorn: Analyse bestehender Strategien & Maßnahmen

Um realistische Emissionspfade im Tourismus zu bewerten, analysieren wir neben vergangenen Entwicklungen auch aktuelle politische und touristische Planungen und deren Klimawirkung.

Ebenen der Analyse:
Untersucht werden Strategien auf Destinations-, Regional-, Landes- etwa Mecklenburg-Vorpommern und Bundesebene, um relevante bestehende und geplante Maßnahmen einzubeziehen.

Warum dieser Blick wichtig ist:
Da THG-Bilanzen und Business-as-usual-Szenarien auf historischen Daten beruhen, müssen neue und geplante Maßnahmen berücksichtigt werden, um die Lücke zwischen Ziel und Realität realistisch einzuschätzen.

Referenzjahr für die Analyse:
Ein festgelegtes Startjahr wie 2016 schafft Vergleichbarkeit und eine klare Datengrundlage.

Wichtig zu beachten:
Klimaschutz wird in Tourismusstrategien häufig nur indirekt behandelt. Klimaneutralität ist selten explizites Ziel, stattdessen finden sich einzelne Maßnahmen ohne klare strategische Einbindung.

Bewertungskriterien für Strategien und Maßnahmen:

Um realistische Klimaziele im Tourismus umzusetzen, schauen wir uns zuerst an, welche politischen und touristischen Maßnahmen derzeit geplant oder in Umsetzung sind. Dabei gehen wir systematisch vor und bewerten die Pläne in zwei Stufen:

Icon Bewertung
1. Bewertung der Maßnahmen nach Klimaschutzrelevanz
Zuerst prüfen wir, welche Maßnahmen auf den verschiedenen Ebenen (Destination, Region, Land, Bund) klimaschutzrelevant sind. Dabei betrachten wir:

Welche Maßnahmen sind konkret geplant?
Wie wirken sie sich auf den Tourismus aus? Gibt es direkte oder indirekte Effekte auf Emissionen oder nachhaltige Entwicklung?
Wie weit sind die Maßnahmen in der Umsetzung? Wie konkret und verbindlich sind sie?
In welchem Zeitrahmen sollen die Maßnahmen realisiert werden?
– Werden Querschnittsthemen wie Mobilität und Energieversorgung berücksichtigt?
– Werden An- und Abreisen von Gästen in den Planungen mitgedacht?

Als Referenzzeitraum wird häufig ein Startjahr – z. B. 2016 – genutzt, um Entwicklungen nachvollziehbar und vergleichbar zu machen.
Icon Potenzial
2. Bewertung der Klimaschutzpotenziale im Tourismus
Nachdem die klimaschutzrelevanten Maßnahmen identifiziert wurden, analysieren wir ihr Potenzial zur Emissionsreduktion im Tourismussektor:

Wie groß sind die Einsparpotenziale in Mobilität, Beherbergung, Gastronomie und Aktivitäten?
– Sind die Maßnahmen zeitlich so geplant, dass sie mit den wissenschaftlich geforderten Reduktionszielen vereinbar sind?
– Gibt es schon messbare Minderungen seit Veröffentlichung der Strategien?
– Wie wirken sich übergeordnete Maßnahmen (Land/Bund) indirekt auf den Tourismussektor aus?

So wird sichtbar, welche Maßnahmen wirklich wirksam sind – und wo weiterer Handlungsbedarf besteht.

Erkenntnisse aus dieser Analyse sind zum Beispiel in Mecklenburg Vorpommern: 

  • Es existieren viele Konzepte und Strategien mit Bezug zu Klimaschutz, auch mit Relevanz für den Tourismus.

  • Klimaschutz wird in tourismusspezifischen Strategien aber häufig nur als Randthema oder Querschnittsaufgabe behandelt.

  • Klare Ziele zur Klimaneutralität im Tourismussektor fehlen meist, ebenso ein systematischer Management-Ansatz.

  • Viele Akteur*innen wissen nicht genau, welche Maßnahmen effektiv sind und wo sie starten sollen.

  • Insgesamt führt dies zu einer geringen Dynamik beim Klimaschutz im Tourismus.

     

Fazit: Klarheit schaffen, um effektiv zu handeln

Nur wenn wir wissenschaftlich basierte Klimaziele, aktuelle Entwicklungstrends und die Bewertung bestehender Strategien gemeinsam betrachten, entsteht eine realistische und belastbare Grundlage für wirkungsvolle Klimaschutzstrategien im Tourismus. Szenarien helfen dabei, die Lücke zwischen Anspruch und Realität sichtbar zu machen und ermöglichen es, konkrete Handlungsfelder zu identifizieren, in denen Tourismusakteur*innen aktiv werden können.

Fazit: Klarheit schaffen, um effektiv zu handeln

Nur wenn wir wissenschaftlich basierte Klimaziele, aktuelle Entwicklungstrends und die Bewertung bestehender Strategien gemeinsam betrachten, entsteht eine realistische und belastbare Grundlage für wirkungsvolle Klimaschutzstrategien im Tourismus. Szenarien helfen dabei, die Lücke zwischen Anspruch und Realität sichtbar zu machen und ermöglichen es, konkrete Handlungsfelder zu identifizieren, in denen Tourismusakteur*innen aktiv werden können.

Und wie kommen wir jetzt dahin?

Gute Ziele allein reichen nicht, ohne Strategie bleibt Klimaschutz Wunschdenken.

Klimaziele sind ein wichtiger erster Schritt. Doch um sie wirklich zu erreichen, brauchen wir mehr: eine klare Strategie, die aufzeigt, wie die ambitionierten Ziele in der Praxis umgesetzt werden können. Nur so wird Klimaschutz im Tourismus von der Vision zur Wirklichkeit.

 

Warum eine Klimastrategie?
Die Klimastrategie bündelt Analyse- und Szenarioergebnisse und übersetzt sie in einen konkreten Reduktionsplan mit Maßnahmen für zentrale Bereiche wie Mobilität, Beherbergung und Gastronomie. Ziel sind realistische und zugleich ambitionierte Schritte zur nachhaltigen Senkung touristischer Emissionen.
Fokus auf die wichtigsten Hebel
Besonderes Augenmerk liegt auf Bereichen mit hohen Emissionen oder starkem Wachstum, allen voran die touristische Mobilität. Hier müssen innovative Lösungen und Förderprogramme entwickelt werden, um den Anteil klimafreundlicher Verkehrsmittel zu erhöhen und Emissionen wirksam zu reduzieren.
Vom Plan zur Umsetzung: Der Reduktionsplan
Die Analyse von Szenarien und Strategien bildet die Grundlage für einen praxisnahen Reduktionsplan. Er zeigt die Wirkung geplanter Maßnahmen und bestehende Lücken. Bleiben deutliche Abweichungen zu den Klimazielen, braucht es einen strategischen Reduktionsplan, der neue Maßnahmen ergänzt und bestehende wirksamer macht.
Eine umfassende Dekarbonisierungsstrategie als Leitfaden
Eine wirksame Klimastrategie verbindet alle Tourismusebenen in einer gemeinsamen Dekarbonisierungsstrategie. Sie gibt Orientierung, unterstützt Unternehmen bei der Umsetzung und verknüpft Tourismus mit der allgemeinen Klimapolitik. Regelmäßige Überprüfung und Anpassung sichern ihre langfristige Wirksamkeit.
Klimaschutz-Aktionspläne der Akteur*innen: Der Motor der Umsetzung
Neben der übergeordneten Strategie sind konkrete Aktionspläne einzelner Akteur*innen essenziell. Sie legen spezifische Maßnahmen und realistische, zugleich ambitionierte Ziele fest. Eine Evaluation im Zeitraum von 3 bis 5 Jahren sorgt dafür, dass die Klimaschutzmaßnahmen messbar und anpassbar bleiben,  so wird Klimaschutz vor Ort lebendig und wirksam.
Herausforderungen im Tourismus-Klimaschutz
Komplexität und Querschnittscharakter: Tourismus umfasst Leistungen aus vielen Wirtschaftsbereichen, was Emissionszuordnung und Verantwortlichkeiten erschwert. Mobilität bei An- und Abreise: Die Emissionsverantwortung bei Gästean- und -abreise ist schwer räumlich zuzuordnen. Vor- und nachgelagerte Aktivitäten: Mehr als die Hälfte der Emissionen entstehen außerhalb direkter touristischer Aktivitäten (Scope 3), etwa durch vorgelagerte Lieferketten. Vielfältige Akteure und Zuständigkeiten: Unterschiedliche Zuständigkeiten auf mehreren Ebenen machen eine koordinierte Strategie notwendig.
Warum eine Klimastrategie?
Die Klimastrategie bündelt Analyse- und Szenarioergebnisse und übersetzt sie in einen konkreten Reduktionsplan mit Maßnahmen für zentrale Bereiche wie Mobilität, Beherbergung und Gastronomie. Ziel sind realistische und zugleich ambitionierte Schritte zur nachhaltigen Senkung touristischer Emissionen.
Fokus auf die wichtigsten Hebel
Besonderes Augenmerk liegt auf Bereichen mit hohen Emissionen oder starkem Wachstum, allen voran die touristische Mobilität. Hier müssen innovative Lösungen und Förderprogramme entwickelt werden, um den Anteil klimafreundlicher Verkehrsmittel zu erhöhen und Emissionen wirksam zu reduzieren.
Vom Plan zur Umsetzung: Der Reduktionsplan
Die Analyse von Szenarien und Strategien bildet die Grundlage für einen praxisnahen Reduktionsplan. Er zeigt die Wirkung geplanter Maßnahmen und bestehende Lücken. Bleiben deutliche Abweichungen zu den Klimazielen, braucht es einen strategischen Reduktionsplan, der neue Maßnahmen ergänzt und bestehende wirksamer macht.
Eine umfassende Dekarbonisierungsstrategie als Leitfaden
Eine wirksame Klimastrategie verbindet alle Tourismusebenen in einer gemeinsamen Dekarbonisierungsstrategie. Sie gibt Orientierung, unterstützt Unternehmen bei der Umsetzung und verknüpft Tourismus mit der allgemeinen Klimapolitik. Regelmäßige Überprüfung und Anpassung sichern ihre langfristige Wirksamkeit.
Klimaschutz-Aktionspläne der Akteur*innen: Der Motor der Umsetzung
Neben der übergeordneten Strategie sind konkrete Aktionspläne einzelner Akteur*innen essenziell. Sie legen spezifische Maßnahmen und realistische, zugleich ambitionierte Ziele fest. Eine Evaluation im Zeitraum von 3 bis 5 Jahren sorgt dafür, dass die Klimaschutzmaßnahmen messbar und anpassbar bleiben,  so wird Klimaschutz vor Ort lebendig und wirksam.
Herausforderungen im Tourismus-Klimaschutz
Komplexität und Querschnittscharakter: Tourismus umfasst Leistungen aus vielen Wirtschaftsbereichen, was Emissionszuordnung und Verantwortlichkeiten erschwert. Mobilität bei An- und Abreise: Die Emissionsverantwortung bei Gästean- und -abreise ist schwer räumlich zuzuordnen. Vor- und nachgelagerte Aktivitäten: Mehr als die Hälfte der Emissionen entstehen außerhalb direkter touristischer Aktivitäten (Scope 3), etwa durch vorgelagerte Lieferketten. Vielfältige Akteure und Zuständigkeiten: Unterschiedliche Zuständigkeiten auf mehreren Ebenen machen eine koordinierte Strategie notwendig.

Ziel: Übergreifende und verbindliche Strategien entwickeln

Um diese Herausforderungen zu meistern, braucht es übergreifende Strategien auf Landes- und Regionalebene, die:

  • klare Visionen und verbindliche Ziele formulieren,

  • Unternehmen bei betrieblichen Klimaschutzmaßnahmen unterstützen und

  • als Brücke zwischen tourismusspezifischen Interessen und allgemeiner Klimaschutzpolitik fungieren.

Diese Strategien können eigenständige tourismusspezifische Klimastrategien sein oder in bestehende Tourismuskonzepte eingebunden werden.

Was eine gute Klimastrategie leisten sollte

  • Potenziale vermitteln: Verstehen, wie der Tourismus zur Klimaschutzzielen beitragen kann und wie seine Perspektive mit der allgemeinen Klimaschutznotwendigkeit zusammenhängt.

  • Beitrag klar machen: Richtungen aufzeigen, die die Gesamtentwicklung des Tourismus sichern und zukunftsfähige Lösungen fördern.

  • Konkrete Schritte definieren:

    • Maßnahmenbereiche benennen

    • Umsetzungsschritte und Meilensteine festlegen

    • Zeithorizonte bestimmen

    • Zuständige Akteur*innen festlegen

Vorhandene Best-Practice-Beispiele, etwa aus Mecklenburg-Vorpommern, können dabei als Orientierung dienen.

Besonderheiten in Tourismusdestinationen

SBTs für Akteure im Tourismus – aktueller Stand: 

Tourismus trägt erheblich zur Klimakrise bei. Global verursacht er über acht Prozent aller Treibhausgasemissionen. In Deutschland macht touristischer Konsum laut einer Studie des Umweltbundesamtes über 12 % des jährlichen nationalen Emissionsausstoßes aus [Umweltbundesamt (2020): Treibhausgas-Emissionen im Deutschland-Tourismus. Themenpapier im Rahmen des Projektes „Weiterentwicklung des nachhaltigen Tourismus: Identifizierung von Synergieeffekten zur Stärkung der Kooperation mit und zwischen wichtigen Akteuren“. (https://www.umweltbundesamt.de/publikationen/treibhausgas-emissionen-im-deutschland-tourismus)]. Die Emissionen im Tourismus werden bis 2030 voraussichtlich weiter steigen.

Eine Analyse von WTTC, UNEP und UNFCCC (2021) zeigt, dass von 250 Reise- und Tourismusunternehmen nur 42 % Klimaziele und 8 % wissenschaftlich fundierte SBTs festgelegt haben [WTTC-UNEP-UNFCCC (2021): Driving climate action: A net zero roadmap for travel & tourism. (https://wttc.org/Portals/0/Documents/Reports/2021/WTTC_Net_Zero_Roadmap.pdf)].

Die SBTi listet weltweit 4.535 Unternehmen mit Verpflichtung zu Klimazielen, davon nur 94 im Bereich Hotels, Restaurants und Tourism Services (Stand Feb. 2023). Im Tourismussektor setzen also bislang zu wenige Akteure wissenschaftlich fundierte Reduktionsziele, um die globalen Klimaziele zu erreichen.

Auch für die Unternehmen selbst können SBTs Vorteile bringen:

Vorbereitung auf neue Verpflichtungen: Nationale und sektorale Klimaziele werden in Zukunft verstärkt an Unternehmen weitergegeben. Wer heute Klimaziele nach anerkannten und wissenschaftlich fundierten Standards setzt, bereitet sich auf neue Verpflichtungen vor.

Investition in Anerkennung und Vertrauen: Kund:innen, Investor:innen und Politik verstehen SBTs vermehrt als Indikator für effektive Klimastrategien. Unternehmen, die regelmäßig ihre Fortschritte und Emissionen öffentlich kommunizieren, schaffen Transparenz für ihre Klima-Ambitionen.

Innovationsmotor: SBT-Reduktionspfade unterstützen die Entwicklung neuer Prozesse, Produkte und Geschäftsmodelle. Die massiven Reduktionsziele setzen ein Umdenken auf vielen Ebenen voraus und beschleunigen somit den Wandel in Unternehmen.

Wissen und Vergleichbarkeit: Die wissenschaftlich fundierte Vorgehensweise beim Screening und Reduzieren von Emissionen schafft Erkenntnisgewinne und ermöglicht einen Vergleich zu anderen Unternehmen.

Ambitionierte THG-Reduktionsziele im Tourismus sind notwendig und auch möglich. Die Abbildung 4 zeigt in Anlehnung an Gössling et al. eine Schätzung der Reduktionspotenziale für verschiedene Teilsektoren im Tourismus bis 2030 [Gössling, Stefan; Balas, Martin; Mayer, Marius; Sun, Ya-Yen (2023): A review of tourism and climate change mitigation: The scales, scopes, stakeholders and strategies of carbon management.] Die Reduktionsmaßnahmen setzen voraus, dass Emissionen nicht weiter anwachsen und berücksichtigen keine Scope 3-Emissionen. Durch Vermeiden, Reduzieren und Ersetzen können in den Bereichen Luftverkehr, Automobilität, Schifffahrt, Unterkünfte (z.B. Hotels) und Lebensmittel (z.B. Restaurants) ambitionierte Klimaziele erreicht werden.

Reduktionspotenziale im Tourismus

Der Tourismussektor bietet auf allen Ebenen Potenziale zur Treibhausgasreduktion, von Betrieben über Destinationen bis zu globalen Netzwerken. Entscheidend ist die Einbindung aller Akteure, Gäste, Unternehmen und politische Entscheidungsträger.

Maßnahmen umfassen Energie- und Ressourceneffizienz, nachhaltige Mobilität und umweltfreundliches Verhalten der Reisenden. Koordinierte Strategien über alle Ebenen hinweg können den ökologischen Fußabdruck des Tourismus deutlich verringern.

Die Abbildungen zeigen Einsparpotenziale in Luft-, Straßen- und Schiffsverkehr, Beherbergung und Lebensmittelbereich durch Vermeiden, Reduzieren und Ersetzen.

Quelle: Gössling, Stefan; Balas, Martin; Mayer, Marius; Sun, Ya-Yen (2023): A review of tourism and climate change mitigation: The scales, scopes, stakeholders and strategies of carbon management. (https://doi.org/10.1016/j.tour-man.2022.104681)

SBTs für Akteure im Tourismus

Aktueller Stand in Tourismusdestinationen

Bisher haben nur wenige Destinationen, meist auf subnationaler Ebene, konkrete Emissionsreduktionsziele festgelegt, da Klimamanagement auf Destinationsebene komplex ist. Die Klimabilanzierung ist herausfordernd, da Emissionen aus vielen Quellen und unterschiedlichen Anreiseformen sowie Aktivitäten entstehen. Individuelle Klimaziele sollten daher die Hauptemittenten und Emissions-Hotspots jeder Destination berücksichtigen.

Ein weiteres Hindernis ist, dass die SBTi derzeit keine Zusammenarbeit mit Städten, Kommunen oder öffentlichen Institutionen anbietet und daher keine Ressourcen für Destinationen bereitstellt. Sie ermutigt jedoch, ihre Leitlinien für eigene Zwecke zu nutzen [SBTi (2021): SBTi Corporate Manual. (https://sciencebasedtargets.org/re-sources/files/SBTi-Corporate-Manual.pdf)]. Ein Vorbild ist die „C40 Cities Climate Leadership Group“, ein Netzwerk von über 90 Städten, das ehrgeizige Klimaziele setzt und andere Städte zur Umsetzung motiviert. Gemeinsam mit führenden Klimaakteuren entwickelte das Netzwerk im Rahmen der „Science Based Targets Network – Global Commons Alliance“ einen Guide für mittel- und langfristige Klimazielsetzungen von Städten.

Wo ansetzen?

Destinationsmanagementorganisationen (DMOs) haben nur begrenzten direkten Einfluss auf Emissionen, übernehmen aber eine zentrale Rolle bei der nachhaltigen Ausrichtung des Tourismus. Sie können Akteure motivieren, Klimaziele zu definieren, und Strategien entwickeln, die Paris-konformes Handeln erleichtern.

Die DMO als Multiplikatorin für SBTs

Sensibilisierung und Aufklärung der touristischen Akteure zu Klimazielen und SBTs sind wichtige Hebel, um globale Emissionen zu reduzieren und das 1,5°C-Ziel zu erreichen. Je mehr Unternehmen Emissionen messen und SBTs festlegen, desto leichter lassen sich Bilanzierung und Zielsetzung auf Destinationsebene umsetzen.

Als Multiplikatorin für SBTs kann die DMO folgende Maßnahmen ergreifen:

Icon Wissen
1. Wissen weitergeben
Die DMO informiert sich über Klimaziele und Klimaschutzaktivitäten und gibt dieses Wissen niedrigschwellig an Akteure im Tourismus weiter – kostenfrei, digital und leicht verständlich. Zudem werden Qualifizierungen zur Klimabilanzierung angeboten.
Icon Unterstützung
2. Unterstützung bei Klimaschutzaktivitäten
Die DMO unterstützt betriebliche THG-Bilanzierungen und Pilotbilanzierungen und bietet Beratungen zu Fördermöglichkeiten von Klimaschutzmaßnahmen an.
Icon Motivation
3. Motivation zur Festlegung von SBTs
Relevante Akteure in der Destination werden identifiziert und gezielt angesprochen. Die Vorteile und die Relevanz von Science Based Targets (SBTs) werden öffentlich kommuniziert, um Engagement zu fördern.
Icon Engagement
4. Engagement in der Destination bündeln
Die DMO baut eine Dateninfrastruktur auf, mit der Klimaschutzaktivitäten in der Destination sichtbar gemacht werden können. Klimafreundliche Angebote werden gebündelt und aktiv in der Vermarktung kommuniziert.
Icon Strategie
5. Klimaziele in Strategien einbinden
Destinationsspezifische THG-Reduktionsziele und -strategien werden in die Tourismuskonzeption oder Destinationsstrategie integriert. So können DMOs über strategische Programme eine zentrale Rolle bei Klimaschutzaktivitäten einnehmen.

 

In der Tourismusplanung und Strategieentwicklung kann die DMO folgende Maßnahmen ergreifen:

Icon Klimabilanzierung
1. Klimabilanzierung der eigenen Destination
Um effektive Reduktionsziele formulieren zu können, steht auch für Destinationen die Messung von THG-Emissionen am Anfang einer jeden Klimastrategie. Hauptemittenten und Emissionen können mit Hilfe zweier Methoden erfasst werden:

Bottom-Up: Nutzung von touristischen Aktivitätsdaten und entsprechenden Emissionsfaktoren von touristischen Segmenten.
Top-Down: Ermittlung von Emissionen nach Wirtschaftsbereichen mithilfe der erweiterten umweltökonomischen Input-Output-Analyse (EEIO). Damit können bspw. Emissionsverflechtungen der Branche und alle Emissionsarten abgebildet werden.
Icon Ziele
2. Setzen von tourismusspezifischen THG-Reduktionszielen
Die Klimabilanzierung ist kein Selbstzweck, sondern dient als Grundlage für Zieldefinitionen und eine strategische Reduzierung von THG-Emissionen. In Anlehnung an die Ambitionsniveaus und Zeithorizonte der SBTi können DMOs Reduktionsziele festlegen. Auch wenn die SBTi diese Ziele aktuell noch nicht validiert, unterstützt die Bestimmung von Zielen dabei, konkrete Klimaschutzpfade in die Destinationsstrategie einzubinden.
Icon Maßnahmen
3. Planung von Klimaschutzmaßnahmen
Wurden die Hauptemissionen und Emittenten der Destination identifiziert und Klimaziele festgelegt, werden destinationsspezifische Klimaschutzmaßnahmen entwickelt, die zu einer Reduktion der THG-Emissionen in der Destination führen.

Das Ziel eines solchen strategischen Klimaschutzmanagements ist die Etablierung eines kontinuierlichen Prozesses, bei dem Maßnahmen auf ihren Erfolg geprüft und entsprechend angepasst, sowie regelmäßig neue Potenziale der Emissionsminderung ermittelt werden können. Klimaschutzziele ermöglichen außerdem eine transparente Kommunikation von erreichten Meilensteinen auf dem Weg zur Klimaneutralität.

Best Practice Beispiel aus dem Tourismus: Iberostar

Pioniere im Tourismus

Die spanische Hotelgruppe Iberostar zeigt, was möglich ist: Mit dem Programm „Wave of Change“ sollen Betriebe bis 2020 plastikfrei, bis 2025 abfallfrei und bis 2030 klimaneutral sein.

2020 verpflichtete sich Iberostar zu wissenschaftlich basierten Klimazielen (SBTs) für Scope 1–3. Bis 2030 sollen Scope 1- und 2-Emissionen um 85 %, Scope 3-Emissionen um 50 % gesenkt und alle Emissionen klimaneutral sein. Die SBTi validierte das Ziel im Oktober 2022 als 1,5°C-konform.

Die Maßnahmen umfassen:

Scope 1: Umstellung von Heizungen und Transport auf Elektrosysteme, Verhaltensänderungen.
Scope 2: Senkung des Stromverbrauchs, Einsatz erneuerbarer Energien.
Scope 3: Abfallreduzierung, interne Kreislaufwirtschaft, Zusammenarbeit mit Fluggesellschaften und Reiseveranstaltern, nachhaltige Geschäftsreisen.

(c) Louis Hansel - unsplah

Kurz und knapp: Wie kommen wir jetzt dahin?

 

Sie haben vor, Klimaziele für Ihre Destination zu bestimmen? Auch wenn Sie (noch) keine Ziele von der SBTi validieren lassen wollen, können die Methoden und Prozessschritte der SBTi für die Festlegung ambitionierter Klimaziele hilfreich sein.

Folgende Aspekte sollten Sie beachten:

Icon Verpflichtung
1. Freiwillige Verpflichtung
Zeigen Sie öffentlich, dass Sie planen, Klimaziele zu bestimmen. Eine Selbstverpflichtung zeigt starkes Engagement nach innen und außen und motiviert zur Umsetzung.
Icon THG-Messung
2. THG-Emissionen messen
Die Messung der THG-Emissionen ist notwendig, um Emissions-Hotspots in den verschiedenen Scope-Kategorien zu erkennen und wirksame Reduktionsmaßnahmen ergreifen zu können. Unternehmen und Destinationen können für die Einhaltung der vom GHG-Protocol vorgegebenen Qualitätsstandards Expert:innen zu Rate ziehen.
Icon Reduktionsziele
3. Reduktionsziele festlegen
Unternehmen sollten ihre Klimaziele möglichst für alle Scope 1–3-Kategorien festlegen. Mindestens 4,2 % der Scope 1- & 2-Emissionen und 2,5 % der Scope 3-Emissionen sollten durchschnittlich jährlich reduziert werden.

Destinationen können beispielsweise langfristige Netto-Null-Ziele bis spätestens 2050 festlegen und in ihre Destinationsstrategie aufnehmen.
Icon Umsetzungsplan
4. Umsetzungsplan erstellen
Die Erstellung eines Maßnahmen- und Umsetzungsplans hilft, die Klimaziele etappenweise und langfristig zu erreichen. Ein solcher Klimaschutz- bzw. Klimamanagementplan sollte die notwendigen Maßnahmen abbilden und kann optional öffentlich zugänglich gemacht werden.
Icon Monitoring
5. Monitoring und Bericht
Die THG-Emissionen sollten regelmäßig überprüft und veröffentlicht werden, um die Verfolgung des Klimaziels transparent aufzuzeigen. Spätestens nach fünf Jahren sollten die Zielsetzungen und die daran ausgerichteten Maßnahmen überprüft werden.

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